TIEMPONUEVO in Konzert bei Peter Edel Kulturhaus, Weissensee, Berlin

Mitte der sechziger Jahre formierte sich in Chile die auf der Folklore basierende Liedbewegung „Nueva Canción Chilena“. Junge Musiker, Studenten und Arbeiter folgten dem Beispiel der legendären Violeta Parra. Mit den neuen Liedern, deren rhythmische und instrumentale Wurzel den Traditionen des Volkes entsprachen, setzen sie fortschrittliche Akzente. In dieser Zeit entstanden Gruppen wie Quilapayun, Inti Illimani, Tiemponuevo, profilierten sich Künstlerpersönlichkeiten wie Victor Jara, Isabel und Angel Parra, Patricio Manns.

Tiemponuevo (Neue Zeit) formierte sich 1965 in Valparaiso als „Grupo des Música Popular“. Der endgültige Name der Gruppe wurde ab 1969 bekannt, als die Musiker profesionell zu arbeiten begannen. Im Wahlkampf Salvador Allendes um die Präsidentschaft Chiles war Tiemponuevo führend beteiligt. Ebenso an den kulturellen Aktivitäten in der Zeit der Regierung Unidad Popular. Vier Langspielplatten fassen die Arbeit von Tiemponuevo in dieser Zeit zusammen. Die Konzerte während der Zeit der UP-Regierung sind nicht zählbar. Hinzu kamen Auftritte bei Massenveranstaltungen und Manifestationen, in Radio und Fernsehen. Mehrere weitgespannte Tourneen führten durch viele lateinamerikanische Länder und nach Europa. Von Tiemponuevo stammen Kompositionen zu chilenischen und vielen lateinamerikanischen Filmen. Nach dem Putsch am 11. September 1973 ging Tiemponuevo wie viele andere progressive Künstler Chiles ins politische Exil. Erste Station war Argentinien, wo in Buenos Aires die LP „Por Chile! Venceremos“ produziert wurde. Der weitere Weg der Gruppe führte nach Europa in die DDR.

Tiemponuevo schuf in den Jahren des Exils mehr als 100 Kompositionen, in denen die Hoffnung Lateinamerikas, das Heimatland Chile und das Leben fern von der Heitmat beschrieben werden. Auf mehreren Langspielplatten, die in den Niederlanden, der Schweiz, der BRD und Frankreich editiert wurden, hat Tiemponuevo sein künstlerisches Schaffen dokumentiert. In Chile selbst wurden in den Jahren der Diktatur Kassetten unter dem Namen „Ahora“ mit den Titeln der Gruppe verbreitet.

Tourneen führten Tiemponuevo in viele europäische Länder, nach Moçambique und Argentinien. Zum Zeitpunkt des Plebiszits gegen die Pinochet-Diktatur traten sie erstmals nach 15 Jahren Exil wieder in der chilenischen Heimat auf. Von den Gründungsmitgliedern der Gruppe Tiemponuevo ist heute allein Roberto Rivera dabei. Er ist der musikalische Kopf der Gruppe. Die überwiegende Zahl der Texte, Kompositionen und Arrangements stammen aus seiner Feder.

Tiemponuevo tritt heute in folgender Besetzung auf: Roberto Rivera: Quena, Gitarre und Gesang; Luis Gonzales: Percussion und Gesang; David Sandoval: Gitarre, Strings, Gesang; Carlos Mejía: Flöten, Gitarre, Charango, Gesang.

Tiemponuevo nahm in den Jahren des exils an zahlreichen Festivals teil, Radio und TV-Sendungen. Von Tiemponuevo stammen eine Vielzahl von Kompositionen für Theaterinszenierungen, so unter anderem für Pablo Nerudas „Glanz und Elend des Joaquín Murieta“ am Städtischen Theater Chemnitz und für „Erinnerung an das Feuer“ an der Berliner Volksbühne, ebenso die Musik für eine Reihe von Spiel und TV-Filmen.

Tiemponuevo tritt oft mit anderen Künstlern auf. So arbeitet Tiemponuevo seit geraumer Zeit eng mit den Landsmann Alejandro Quintana, Schauspieler und Regisseur, zusammen. Mit dem Neruda-Programm „Canto General“ tourte Tiemponuevo mit Quintana durch Argentinien sowie durch das Heimatland Chile zum Zeitpunkt des Plebszits. 1989 entstand eine an dieses Programm angelehnte Schallplattenproduktion „Rumbo a la Libertad ...ich erkläre dir meine Liebe...“, erschienen bei der Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main.

Eine ebenso enge Zusammenarbeit bindet die Gruppe mit der Schauspielerin Cornelia Schmaus. Seit mehreren Jahren gibt es gemeinsame Auftritte mit Dichtungen aus verschiedene Zeiten und Ländern im speziellen Arrangement. Dieses Programm trägt den Namen „Die Oliven gedeih'n“.

Sehr erfolgreich ist in Berlin eine Veranstaltungsreihe, die von der Gruppe inittiiert und gestaltet wurde: die Peña. Tiemponuevo knüpft bei der Peña an eine künstlerische Begegnungsform an, die im Heimatland Chile sowie anderen lateinamerikanischen Ländern eine große Tradition besitzt. In Berlin steht der Treffpunkt von Kulturen in Mittelpunkt dieser Veranstaltung.

Die Musik von Tiemponuevo setzt die bekannten Traditionen chilenischer und lateinamerikanischer Folklore –Vals, Cumbia, Corrido, Guaracha, etc.– fort. Tiemponuevo suchte und fand für sich ein eigenes Profil.


DIE PROGRAMME VON TIEMPONUEVO

» PEÑA AUF TOURNEE
Dieses Programm kann je nach Aufführungsort, Land sowie Termin, variabel gestalt werden und freundschaftlich mit der Gruppe verbundene lateinamerikanische wie europäische Künstler vieler Genres enthalten, aber auch nach Vereinbarung mit den Veranstalter entsprechend deren Wünschen Gestaltung finden.
Charakter des Abends: Unterhaltsam-gesellig (mit Bewirtung)
Zeitdauer: 240 Minuten.

» PABLO NERUDA: CANTO GENERAL
Dieses Programm mit Alejandro Quintana hat rezitativ-musikalischen Charakter.
Für die Gestaltung ihres Programmes „Rumbo a la Libertad“ (Zielrichtung Freiheit) griff die Gruppe Tiemponuevo bei ihrer erstmaligen Rückker in das von der Militärdiktatur sich befreiende Chile auf Texte von dessen grösstem Dichter zurück: Pablo Neruda. Die flammenden Poeme des Nobelpreisträgers Neruda (1904–1973) wurden in Verbindung mit Liedern der Gruppe zu einem Fanal für das NEIN beim Plebszit über die Herrschaft Pinochets.
Über die Jahre hat Tiemponuevo das Programm immer wieder aufgenommen, ergänzt und verändert. In seiner heutigen Fassung ist es ein Extrakt nicht nur der „millionenumschlingenden“ und geschichtskritischen Amerika-Hymnen des Canto General (Der Große Gesang), sondern auch der detailverliebt-animistischen Odas elementales (Elementare Oden) und der Letzten Gedichte, die bisweilen schon zur Jahrtausendewende voraustasten. Die Lieder der Gruppe reichen ihrem Entstehungsdatum nach von jenen letzten, den Gipfel seines Ruhms bedeutenden Jahren des Dichters bis an eben das Jahr 2000 heran; sie paraphrasieren, illustrieren und kommentieren das lyrische Werk Nerudas und bilden so die musikalische Seele eines Programms, das zwischen gesprochenem Wort, „europäischen“ Harmonien und lateinamerikanischen Klangfarben und Rhythmen einen beinahe dramatisch zu nennenden Boden spannt.
Dauer: 80 – 90 Minuten
Mitwirkende: 4 Musiker, 1 Sprecher
Sprache: Deutsch/Spanisch

» EDUARDO GALEANO: ERINNERUNG AN DAS FEUER
Dieses Programm mit Alejandro Quintana ist rezitativ-musikalisch.
Sprache: Spanisch/Deutsch (Variabel)
Zeitdauer: 90 Minuten

» DIE OLIVEN GEDEIH'N – DER KRIEG IST VORBEI
Dieses Programm mit Cornelia Schmaus ist liedhaft-rezitativ-musikalisch.
Sprache: Deutsch
Zeitdauer: 90 Minuten

» LIEDER AUS LATEINAMERIKA
Dieses Soloprogramm der Gruppe Tiemponuevo (auch im Rahmen anderer Veranstaltungen) ist variabel gestaltbar.


Wichtig

Zu allen Programmen der Gruppe sind detaillierte Absprachen
und Vereinbarungen auf vertraglicher Basis erforderlich.
Bei Auftritten mit künstlerischen Partnern
sind mit diesen gesonderte Einzelverträge abzuschließen.

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